Dennis Hollensett, Auszubildender am Westfälischen Golfclub Gütersloh, gibt Einblick in das Leben eines Golf-Azubis und macht klar, wo es im deutschen Golfsport noch deutlich hakt.
Dennis Hollensett ist 23 alt und spielt seit seinem 11. Lebensjahr Golf. Im Grunde konnte er gar nicht anders: sein Onkel war Greenkeeper und sein Vater hat damals auf der Driving Range die Bälle gesammelt. Dennis half ihm öfters dabei und schlug den einen oder anderen Ball. Irgendwann sprach ihn jemand vom Vorstand an und bot ihm die Möglichkeit, am Jugendtraining teilzunehmen. Und so fing alles an. Dennis trainierte jeden Tag und arbeitete sich in kürzester Zeit hoch bis in das Kader.
Doch mit 16 Jahren hatte er ein kurzes Tief und stellte seine Schläger zur Seite. Der Leistungsdruck wurde ihm einfach zu viel. Er brauchte Abstand. Seine Liebe zum Golfsport jedoch ist nie erloschen. Und so begann er wieder, nach einem Jahr Pause, zu spielen. Allerdings entschied er sich für eine andere Karrierelaufbahn: für ihn war klar, er möchte das, was er gelernt hat an andere weiter geben. Er entschied sich für die Laufbahn eines PGA Pros.
Und deshalb gibt euch Dennis auf Golf´n Travel einen exklusiven Einblick sein Leben als Golf-Azubi.
GnT: Dennis, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um die Ausbildung zum Pro absolvieren zu können?
Dennis: Schulisch gesehen keine. Ansonsten muss man mindestens 18 Jahre alt sein und es wird ein Handicap von maximal -12,4 benötigt, um die Ausbildung anfangen zu können.
GnT: Wie lange dauert die Ausbildung zum Pro?
Dennis: Der erste Weg zur Ausbildung ist seit 2011 der sogenannte PreCourse – ein Vorbereitungskurs für die Ausbildung. Dieser Kurs beinhaltet den C-Trainer Schein. Mit diesem Schein ist man qualifiziert Jugendtraining zu geben und die Platzreifeprüfungen abzunehmen. Man muss dafür fünf Seminare á 3-4 Tage mit abschließender Prüfung absolvieren. Danach geht es dann weiter mit der tatsächlichen Ausbildung über drei Jahre. Diese ist jetzt erstmals in zwei Teile eingestuft: Modul 1 und Modul 2. Die PGA hat den Weg so gewählt, damit der weitere Verlauf der Ausbildung qualitativ noch hochwertiger wird.
GnT: Wie genau sehen diese Module aus und was konkret bedeuten sie für die Lizenz?
Dennis: Während der Modulausbildung 1 werden die Fähigkeiten von dem C-Trainerschein vertieft, so dass man dort schon Einzelunterricht im Anfängerbereich erteilen darf. Nach neun Monaten schließt man diesen Teil der Ausbildung mit der Assistentenprüfung ab. Diese beinhaltet eine Lehrprobe mit Einzelunterricht für einen Anfänger, eine Technikdemonstration, eine mündliche Prüfung in den Fächern Golftechnik und Sportwissenschaft sowie eine schriftliche Prüfung zu den Themen Golfregeln, Golfgeschichte, Materialkunde und Wettspielorganisation.
Die Modulausbildung 2 führt nach zwei Jahren zum klassischen Titel und Beruf des „Fully Qualified PGA Golfprofessional“. Dieser ist in der Lage, auf höchstem Niveau Golfunterricht für Spieler aller Leistungsstufen zu erteilen. Der vollqualifizierte PGA Golflehrer unterweist Anfänger und Fortgeschrittene, leitet Gruppenkurse und das Mannschaftstraining, er fordert und formt Leistungsspieler und coacht Top-Amateure oder Playing Professionals. Einen ProShop zu führen oder eine Golfclub zu managen, die sportliche Leitung eines Clubs zu übernehmen oder den Aufbau und die Leitung einer Golfschule, sind nur einige der vielfältigen Berufsmöglichkeiten für einen Fully Qualified PGA Golfprofessional. Auch in der Golfindustrie und im Segment hochwertiger Golfreisen sind PGA Golfprofessionals heute gefragte Experten, Mitarbeiter, Anbieter, Berater und Partner.
Die abschließende Prüfung zum Fully Qualified PGA Golfprofessional umfasst eine Einzel- und eine Gruppen-Lehrprobe, eine Technikdemonstration sowie eine mündliche und eine schriftliche Prüfung. Mündlich ist umfangreiches Wissen in den Fächern Golftechnik, Sportwissenschaft und Materialkunde nachzuweisen, schriftlich werden Kaufmännisches Wissen, Clubmanagement, Turnierorganisation und Wettspielstruktur abgefragt. Es muss, um zur Prüfung zugelassen zu werden, ein Playing-Ability Test bestanden werden. Dort gilt es in einem Turnier der PGA einen max. Zielscore von 12 über Par in zwei Runden zu spielen. Zusätzlich muss noch ein Fitting-Workshop besucht werden.
GnT: Wow. Das ist sehr umfangreich und klingt super spannend. Wie viele angehende PGA Pros werden jährlich ausgebildet?
Dennis: Wir sind jetzt bundesweit ca. 77 Teilnehmer, die an der Ausbildung teilnehmen. Es könnten etwas mehr sein. (schmunzelt)
GnT: Nun, vielleicht finden sich ja hier auf unserem Golfblog Interessierte, die jetzt nach diesem Interview ihre neue Berufung entdeckt haben. Sag, wie viel verdient ein Azubi während seiner Ausbildung zum PGA Pro?
Dennis: Die Ausbildungsvergütung startet im 1. Lehrjahr mit 580€, im 2. Lehrjahr mit 630€ und das letzte mit 680€. Das sind Mindestwerte sein, die von der PGA vorgeschlagen wurden. Je nach Golfclub können diese variieren, wie in jedem anderen Lehrberuf auch. Naja, und dann verdient man sich ja schon etwas mit dem Training dazu.
GnT: Wo kann man seine Ausbildung zum Pro machen?
Dennis: Die Ausbildung kann man in jedem Golfclub machen, der einen Golflehrer mit Ausbilderbefähigung hat und der Auszubildende akzeptiert. Teilweise müssen Leute, die starten möchten mehrere Clubs ansprechen. So war das bei mir auch. Mein damaliger Heimatclub bot mir keine Option an eine Ausbildung machen zu können. Aber ich bin froh mit dem Westfälischen Golfclub Gütersloh den idealen Wegbegleiter für meine Ausbildung gefunden zu haben. Zumal dieser auch nicht weit von Zuhause entfernt ist. Und mit meinem Ausbilder Jan-Patrick Sors hätte ich es nicht besser treffen können (lacht).
GnT: Welche Vorteile genießt man nach abgeschlossener Ausbildung?
Dennis: Zum Beispiel muss man nirgends mehr Greenfee zahlen (lacht)
GnT: Welche Turniere darf ein angehender bzw. ausgebildeter PGA Pro spielen?
Dennis: Jemand, der die Ausbildung startet verliert ab dem 1. Lehrjahr seinen Amateurstatus und darf Amateurturniere nur noch außerhalb der Wertung mitspielen, da ein Pro mit Golf sein Geld verdient. Es gibt aber genügend Turniere, die man auch mit dem „Pro“ Titel mitspielen kann wie z.B. die EPD Tour uvm.
GnT: Der große Traum von den Masters – wie viele schaffen diesen Sprung und was sind die Bedingungen?
Dennis: Wenn man die Ergebnisse der Masters sieht, wird man schnell erkennen das es für die Pros auch eine sehr schwere Herausforderung ist. Wenn der Sieger mit -10 nach vier Runden gewinnt und unser bester Kaymer mit +6 nicht ganz weit dahinter ist dann erkennt man wie schwer es ist, trotz perfekter Vorbereitung. Die Bedingungen sind einfach sehr schwer da man unter den Besten der Besten unterwegs ist. Und wer dort einen kleinen Fehler macht wird direkt knallhart bestraft. Ein Fehlschlag kann 50 Plätze nach unten kosten.
GnT: Golfsport in Deutschland vs. USA oder UK… deine Meinung!?
Dennis: Golf in Deutschland wird immer jünger. Was uns fehlt ist, dass junge Talente noch mehr gefördert werden wie z.B. in England oder in den USA. Dort zählt Golf in einigen Teilen als Schulsport. Wenn wir so ein ähnliches System hätten, könnte Deutschland wahrscheinlich bald auch wieder mehr Pros auf den Touren stellen.
GnT: Worldranking: Was machen die asiatischen Frauen besser?
Dennis: Über die Damen kann ich leider nicht so viel Aussagen geben. Aber auch da würde ich eher an das ganze System gehen, da wir einfach komplett in Deutschland mehr Pros brauchen. Auch im Damenbereich. Wenn man mehr Leute stellt, hat man als Nation auch eine größere Chance im Sport ganz oben mitspielen zu können. Die deutschen Damen sind z.B. mit Sandra Gal oder Caroline Masson auf einem guten Weg und können durchaus mithalten.
GnT: Dein Ziel in fünf Jahren?
Dennis: Ich bin jetzt 23 Jahre alt. In fünf Jahren möchte ich mich in allen Bereichen des Professional Auftretens deutlich weiter entwickelt haben. So werde ich zum Beispiel nach abgeschlossener Ausbildung auf gar keinen Fall „die Beine hochlegen“, sondern direkt weiter machen. Man kann nie genug dazu lernen. Und natürlich werde ich daran arbeiten, das ein oder andere Pro Event zu gewinnen.
GnT: Und abschließend noch dein ganz persönlicher Tipp für Youngster im Golfsport.
Dennis: Den meisten Wert auf das Training im kurzen Spiel legen. Das kurze Spiel macht die Hälfte der Schläge aus. Und wer darin einigermaßen solide ist, kann einige gute Scores erzielen bzw. auch noch retten wenn es notwendig wird.







